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Staatschef Putin: Alkohol-Verkäufe
erfreuen den Finanzminister
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Der Wodka ist das Nationalgetränk der Russen,
getrunken von Jung und Alt, Arm und Reich, an Werk- wie an Feiertagen.
Die Halbliterflasche mit dem schlichten Etikett war in jedem russischen
Haus zu allen Zeiten ein gern gesehener Gast. Sie überstand die
Revolution, Kriege und Perestroika. Vieles musste sie erdulden. Wodka
wurde verdünnt, schwarz gebrannt, gestohlen, auf Karten verkauft,
verboten. Man kaufte den Wodka bei Spekulanten, Hausmeistern, Taxifahrern,
Nachtwächtern. Mit ihm wurden Erkältungen kuriert, der Verstorbenen
gedacht, Brautpaare beglückwünscht, Jubiläen begangen,
die Schwermut ertränkt. Ob der Kauf des ersten Autos oder der
Freikauf der Braut bei den Schwiegereltern: von Moskau bis Wladiwostok
sind in diesen Fällen mindestens 100 Gramm Wodka fällig. |
- Viele Russen schreiben dem Wodka außerdem mythische
Eigenschaften zu: Pur oder zusammen mit Honig, Pfeffer oder
Kräutern soll er nicht nur Erkältungen, sondern auch ernsthafte
Krankheiten besiegen. Selbst sowjetische Atomwissenschaftler sollten
sich mit ausreichend Wodka gegen Strahlenschäden gewappnet gefühlt
haben.
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Wie wird denn der Wodka im heutigen Russland
getrunken? Genau so wie vor 50 Jahren: auf dem Dorf aus
Wassergläsern, in der Stadt aus Schnapsgläsern. Das Wort
für "Alkohol trinken" heißt wörtlich übersetzt
"austrinken" und das "Was" braucht man dabei
gar nicht mehr zu erwähnen, man versteht es auch so. Es gibt
drei goldenen Regeln des Wodkatrinkens:
Erstens: Zum Essen, nicht davor und nicht danach.
Zum Wodka gehört auch ein handfester Imbiss: saure Gurken,
Wurst, Sauerkraut, hausgemachte Sülze, Salate. Süßes
oder in westlichen Ländern beliebte Partysnacks kommen nicht
in Frage. Zum Wodka gehört auch manchmal ein zusätzliches
Getränk wie Mineralwasser oder Saft, das man nach dem Wodka
trinkt, um das Brennen herunterzuspülen. In der zaristischen
Zeit hat man sogar vor dem Wodka einen Becher feinsten Sonnenblumenöls
getrunken, um damit Kehle, Schlund, Magen und Eigenweide einzusalben
und so den Wodkaströmen standhalten zu können. Übrigens
ist es in Russland nicht üblich, unterschiedliche, zu den einzelnen
Gängen passende Getränke zu servieren. Alle Sorten stehen
auf dem Tisch und können nach Belieben zusammen oder nacheinander
getrunken werden - auch Wodka und Cognac. Man kann in Russland kaum
erleben, dass geöffnete Wodkaflaschen nicht ausgetrunken, sondern
in den Schrank zurückgestellt werden. Übrigens, die einheimischen
Wodkaflaschen waren zur Sowjetzeit traditionell nicht wieder verschließbar.
Wenn man sich zu einer Festlichkeit verspätet, wird man bestraft.
Man bekommt ein großes Glas voll Wodka. Das Glas hat keinen
Fuß, es kann also nicht abgestellt werden und muss ausgetrunken
werden. Vielleicht sind die Russen deshalb nicht so pünktlich?
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Zweitens: Man trinkt niemals weniger
als 50 Gramm in einem großen Schluck und nicht still in sich
hinein, sondern in der Runde und im Takt der Trinksprüche. "Trinken
ohne Trinkspruch ist Trinksucht", besagt ein altes russisches
Sprichwort. Viele lange Trinksprüche kommen auch aus dem Georgischen.
Das kann ein Wunsch für Glück oder Gesundheit sein, dem
oft ein Witz vorausgeht. So ein stilistisch abgerundeter Trinkspruch
ist eine Kunst für sich: Wodka
ist Gift, Gift ist Tod, Tod ist Schlaf, Schlaf ist Gesundheit. Wollen
wir auf unsere Gesundheit trinken! Oder: Wir
wünschen allen Frauen, dass sie nur von schönen und exotischen
Tieren umgeben sind. Dass sie einen Jaguar in der Garage haben, einen
Tiger im Bett, einen Zobel um die Schultern und einen Esel, der das
alles bezahlen kann.
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Drittens: Gleich nach dem Schlucken
muss man in etwas Salziges oder Scharfes beißen oder sogleich
mit dem Essen beginnen, in dessen Verlauf die ganze Prozedur zu wiederholen
ist. Es muss erwähnt werden, dass der Genuss des ersten Gläschens
Wodka für die Russen ein bedeutsamer und zutiefst intimer Akt
ist. Jeder vollzieht auf ganz eigene Weise, mit eigenen Gesten und
Worten. Und nun stellen Sie sich vor, dass Sie nicht einfach ein Glas
mit 100 Gramm kristallklarem Wodka in der Hand halten. Werfen Sie
einmal einen Blick in Ihr Glas. Dort spiegelt sich die Geschichte
eines mächtigen Landes und seines leidgeprüften Volkes wider,
ein Auf und Ab mit Erfolgen und Niederlagen - und mit Widersprüchen,
die unüberwindlich scheinen. Der berühmte russische Schriftsteller
Fjodor Tjutschew hat einmal gesagt:
Russland ist mit dem Verstand nicht zu begreifen,
mit der gewöhnlichen Elle nicht zu messen;
Russland hat einen besonderen Charakter -
An Russland kann man nur glauben.
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